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Das Hamburger Hörspiel OrchesterDas Studio-Orchester für Hörspiel-, Film- und Gamevertonungen.
Mit der von Günter Merlau und Martin Bentz entwickelten Produktionstechnik können die höchsten Anforderungen die mittlerweile an Orchestertrierungen
gestellt werden auch schon für kleinere Produktionen realisiert werden.

Das HHO Die Musiker Interview Merlau & Bentz 3 Fragen zu Musik

Interview Merlau & Bentz

Herr Günter Merlau, sie sind mehrfach ausgezeichneter Regisseur, Hörspielautor, Musiker und Komponist, was hat Sie veranlasst über die Gründung eines Hörspiel-Orchesters nachzudenken?
MERLAU: Der musikalische Aufwand in Hörspielen ist ähnlich hoch, wie der in Film- und Kinoproduktionen. Bei inszenierten, dramatischen Stoffen liegt der Musik-Anteil teilweise bei über 60 %. An der Güte von authentischem Orchester-Klang forsche ich im Rahmen meiner Arbeit mit der „Vienna Symphonic Library“, sozusagen einer digitalen „Orchster-Simulation“, nun schon seit einigen Jahren und habe in diversen Hörspiel-, und Computerspiele Vertonungen einige Erfolge in dieser Richtung verzeichnen können.
Es war aber immer mein Wunsch, dieses rein virtuelle Orchester mit den Klängen echter Instrumentalisten zu mischen und entsprechend zu verbessern, sodaß sich das Beste aus beiden Welten zu einem neuen, verbesserten Klang zusammenfügt. Als ich Martin Bentz, den Leiter vom Streicher-Ensemble „Strings de Luxe“ auf einem Live-Konzert kennen gelernt habe, war sehr schnell klar, dass sich unser beider Fähigkeiten nahtlos ineinander fügen würden.

Herr Bentz, sie sind klassisch ausgebildeter Cellist und musikalischer Leiter diverser Ensembles, berichten Sie uns ein bisschen von Ihrem musikalischen Hintergrund und Ihrem derzeitigen Tätigkeitsfeld!
BENTZ: Ich stamme aus einem typisch klassischen Umfeld, mit Wettbewerbspreisen und Meisterkursen und später dann einem klassischem Studium an der Musikhochschule Lübeck. Das Talent wurde mir sozusagen geschenkt, das Handwerk um mein Instrument zu meistern habe ich allerdings mit jahrelangem Üben, teilweise 7 Stunden pro Tag erlernen müssen, das ist ganz ähnlich, wie bei Spitzensportlern. Ich spiele unter anderem im Orchester von „König der Löwen“ und „Tarzan“, mit meinem Streichquartett „Strings de Luxe“, dessen Ensemble-Leiter ich bin, machen wir seit einigen Jahren Studioproduktionen unter anderem für Roger Cicero, Barbara Schöneberger, Annett Louisan, Dieter Bohlen und vielen anderen Chart-Platzierungen.

Sie arbeiten seit über 5 Jahren auch als musikalischer Leiter für „Little Amadeus“, der erfolgreichsten Deutschen Zeichentrickserie seit Gründung der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und wurden dafür mit zwei Klassik-Echos ausgezeichnet, bitte erzählen Sie uns von dieser Arbeit!
BENTZ: Little Amadeus war tatsächlich ein großes Projekt, über 3 Jahre habe ich die komplette Film-Musik konzipiert und dann im Studio mit Orchestermusikern aufgenommen und war in diesem Umfeld auch für 12 Tonträger als Produzent tätig. Teilweise hatte ich nur zwei Tage Zeit, die 22-minütigen Zeichentrick-Folgen mit meinem Team zu vertonen, das war eine große Herausforderung und ich bin sehr froh, dass diese leidenschaftliche Arbeit auf so offene Ohren in der Öffentlichkeit gestoßen ist, zumal wir gegen den anfänglichen Protest der Sender zu 80% klassische Musik von Mozart benutzt haben.

Herr Merlau, beim Hören Ihrer sehr intensiven Musiken wird schnell klar, dass diese Produktionen mit sehr viel Liebe und Detail-Reichtum versehen sind, wie gehen Sie beim Vertonen von Hörspielen oder Spielen vor?
MERLAU: Ich bin das, was man klassischerweise einen Visionär nennt. Sehr schnell erschließen sich mir zu allen Themen Visionen, ob nun in Bildern oder auditiven Strömungen, sodass ich meist sofort mit der Arbeit zu einem Stoff beginnen kann.
Meist unmittelbar beginne ich eine Sequenz, ein Motiv, oder gleich ein fertiges Thema in meinem Kopf zu hören, das ich schnell auf dem Piano und dann in Noten, oder im PC banne. Meine bisherige Erfahrung hat mich gelehrt, dass ich darauf vertrauen kann, zu jedem Stoff, jedem Thema und fast jeder gewünschten Stilistik einen visionären Entwurf parat zu haben; das ist sozusagen mein besonderes Talent als kreativer Gestalter, für das ich sehr dankbar bin.

Sie produzieren seit Jahrzehnten sehr unterschiedliche Musiken, ob Avantgarde-Elektronik, deftige Pop-Arrangements, Folklore, Punk-Rock oder lyrische Romantik, wo würden Sie Ihre musikalischen Wurzeln sehen?
MERLAU: Ich stamme aus einem klassischen Elternhaus, meine Eltern waren Opernsänger, die mich die klassische Musik lieben aber auch hassen gelehrt haben.
So pfeife ich im Alltagsleben immer noch Mozartmelodien oder symphonische Themen von Mahler vor mich hin, habe mich aber musikalisch auch sehr stark von diesen Wurzeln entfernt, indem ich in Hardcore-Bands und vielen, vielen sehr „brutalen“ Musikprojekten mitgewirkt habe, die alles andere als „klassisch“ waren. Meine zweite große musikalische Wurzel ist sicher die rohe und hypnotische „Lick-Arbeit“ von AC/DC und Motorhead, die mich als 11-jährigern völlig umgehauen hat. Als dritten musikalischen Einfluss möchte ich Elektro-Künstler wie Aphex Twin, Autecrel oder das Label Ninja-Tunes nennen.

Für welche Bereiche ist die Musik des HAMBURGER HÖRSPIEL-ORCHESTERs vorgesehen, wie hat man sich eine Zusammenarbeit mit Ihnen vorzustellen?
BENTZ: Grundsätzlich ist das HHO für alle musikalischen Bereiche geeignet. Wir haben das HÖRSPIEL-ORCHESTER gegründet mit dem Ziel, die klangliche Güte der Musik in Hörspielen, Computer-Spielen und Filmproduktionen zu erhöhen: maßgeschneiderte, orchestrale Arrangements und Produktionen dank unseres ausgeklügelten Produktionsprozesses „bezahlbar“ herstellen zu können, ohne zu den Orchestern nach London oder Prag reisen zu müssen. Auch dass wir solche hochwertigen Musiken in Hamburg aus einer Hand herstellen können ist ein großer Vorteil für alle Verlage und Produktionsfirmen, der viel Zeit und logistischen Aufwand spart, was wiederum der Güte der Musik zuträglich ist.

MERLAU: Wir können Dank unseres eigens entwickelten Produktions-Verfahrens auf jegliche Anforderung reagieren, ob nun für minimalistisches Streich-Quartett, Kammer-Orchester, oder für den „doppelt besetzten“ wagnerianischen Orchester-Klang, wollen wir ein eingespieltes Ensemble etablieren, auf das man sich in den nächsten Jahren verlassen kann wenn es um hochwertige Orchester-Musiken geht.
Wir schöpfen in den verschiedenen Sektionen Streicher, Hölzer, Blech und Percussion aus einem jahrelang gewachsenen Pool aus Spitzenmusikern aus ganz Europa, sodass ich sehr zuversichtlich bin, dass sich das HÖRSPIEL-ORCHESTER in den nächsten Jahren zu einer Quelle vieler großartiger „Scores“ entwickeln kann.


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