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Carla Berling im Spotlight: "Wenn Dir ein Vogel aufs Hemd kackt, ärgere Dich nicht. Freue Dich, dass Kühe nicht fliegen können."

Die Quelle des Zitats ist unbekannt, doch Spiegel-Bestseller Autorin Carla Berling nutzt diese Lebensweisheit, um Fans auf ihrer Homepage zu begrüßen. Und die Phrase passt, um im derben Jargon zu bleiben "wie Arsch auf Eimer". Denn die Karriere der erfolgreichen Schriftstellerin verlief nicht immer geradlinig.  


Aus dem Einzelhandel für Damenoberbekleidung stammend, gab es Zeiten, in denen die Autorin und ihr damaliger Ehemann ohne Beschäftigung, aber mit zwei kleinen Kindern dastanden. Finanzielle Sorgen wurden zur Realität, als der jungen Familie schließlich die Gasheizung abgedreht wurde und die Wohnung kalt blieb. Carla Berling, die zuvor in einer Versicherung gearbeitet und dort kriminelle Machenschaften beobachtet hatte, entschloss sich, diese Kenntnisse aufzuschreiben. Seit sie acht Jahre alt ist, schreibt die Autorin Geschichten, doch dieses Projekt sollte ein Buch werden, das alle offenen Rechnungen zu bezahlen vermochte. Sie lieh sich 50 D-Mark von ihrer Mutter und kaufte sich eine gebrauchte Schreibmaschine. So wurde das unbeheizte Wohnzimmer mitsamt einer Nähmaschine als Schreibtisch und einem umgedrehten Wäschekorb als Papierablage zum Büro. Nicht einmal die kaputte E-Taste der Schreibmaschine konnte sie aufhalten, obwohl jedes E nachträglich per Hand eingefügt werden musste. Das fertige Manuskript fand Carla Berling selbst jedoch "dilettantisch" und verwarf den Plan. 


Trotz des harten Urteils, das Berling über ihre Arbeit gefällt hatte, sollte dies nicht das letzte Kapitel ihrer schreibenden Tätigkeit sein. Ein Artikel in der Tageszeitung erweckte ihre Aufmerksamkeit. Sie fand ihn schlecht geschrieben und war davon überzeugt, etwas besseres zu Papier bringen zu können. Da die Konkurrenz dieser Zeitung eine Vakanz hatte, bekam sie eine Chance als Journalistin. Doch der Quereinstieg in der Branche begann herausfordernd; ihr erster Artikel sollte das kinästhetische Infant-Handling beleuchten. Da sie keine Angst hatte viele und vermeintlich dumme Fragen zu stellen, ließ Berling sich die Thematik im Krankenhaus erklären und stellte fest, dass man es wie folgt übersetzen konnte: "Wenn ein Baby gewickelt wird und es dabei herunterfällt, dann ist es kaputt." Nach Abgabe des Artikels bekam sie die Stelle. 


Durch ihre Arbeit für die Zeitung, so Berling, lernte sie das Schreiben. Stoffe für Artikel fand sie überall – ob hunderter Geburtstag oder Tag der offenen Tür. Besonders ihre Kolumne "Menschen in unserer Stadt" prägt sie sehr. Mit einem Foto und 120 Zeilen fing die Journalistin das Leben und Wirken verschiedener Menschen ein, besuchte ihre Wohnungen und wurde Zeugin für diverse Erfolge oder Schicksale. Aus diesem reichen Erfahrungsschatz schöpft sie noch heute.


Auch Tatorte besuchte sie als Journalistin und musste den Beamten in einem Fall sogar mit dem Blitz ihrer Kamera den Weg beleuchten, bis sie die Leiche in der Wohnung fanden. Die Überschrift des Artikels lautete später: "Dienstbeginn mit einem Toten" und stellte die Grundlage für einen Kriminalroman dar. Denn in ihren Krimis benutzt die Schriftstellerin oft wahre Versatzstücke oder Familiengeschichten, die so weit verfremdet werden, dass nur sie den Bezug zur Realität erkennt. Doch Protagonistin Ida Wittekind ist gewissermaßen ihr literarisches Alter-Ego. Die Autorin sagt, wenn sie als Journalistin ermittelt hätte, dann so wie ihre fiktionale Kollegin.


Die vorerst im Selfpublishing erschienenen Bücher "Sonntags Tod" und "Königstöchter" wurden zum Erfolg. Bald kam sie mit den Bestellungen kaum hinterher. 45.000 Stück in sechs Wochen und der Buchhandel wollte mehr. Über einen Agenten bekam sie dann den Kontakt zu ihrem Verleger "Heyne". An der Zusammenarbeit mit dem Verlag schätzt sie nicht nur die Erleichterung der Logistik, sondern auch die Möglichkeit, viele Lesereisen zu unternehmen. Den Kontakt zu ihren Leser:innen und die Möglichkeit, auf der Bühne zu stehen, schätzt die Autorin sehr, sodass sie nicht selten 60 Lesungen im Jahr veranstaltet. 


Doch die Hörbücher ihrer Provinz-Krimis verkauften sich nicht. Denn der ostwestfälische Dialekt fordert Nuancen, die Außenstehende nur schwer einfangen können. Aus diesem Grund holte sich die Autorin die Rechte an den Hörbüchern zurück und spielte mit dem Gedanken, sie einmal selbst einzulesen. 


Auf dem Geburtstag ihrer Kollegin Nika Lubitsch entstand dann der Kontakt zu Hörbuchproduzent Günter Merlau. Eine Begegnung, aus der beide Seiten gewinnbringend hervorgehen konnten. Merlau mit neuen Titeln für den Hörbuchverlag LAUSCH medien und Berling mit der Möglichkeit, ihre Werke selbst einzulesen. Die Freude am Performen bricht sich nun nicht nur auf Lesereisen, sondern auch in der Sprecherkabine Bahn. Und diese Begeisterung spiegelt sich im Erfolg der Hörbücher. 





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