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Torsten Weitze im Interview: Über Neuanfänge, das Schreiben und die Sturmfels-Akademie.


Passend zum Release von “Sturmfels-Akademie 2 – Der Turm des Goldes” freuen wir uns, Bestsellerautor Torsten Weitze bei uns begrüßen zu dürfen!

Hallo Torsten, wie schön, dass Du hier bist!


Torsten Weitze: Danke für die Einladung! Ich freue mich auch, hier zu sein! 


Nach dem Abschluss Deiner erfolgreichen Serie “Der 13. Paladin" ist Dein nächstes großes Projekt die “Sturmfels-Akademie”, die sich genauso erfolgreich etabliert hat. Doch wie war das für Dich, den vertrauten Rahmen der Paladine zu verlassen und eine neue Welt zu kreieren? 


Torsten Weitze: Es war aufregend! Und die Paladin-Reihe habe ich, wie man so schön sagt, mit einem lachenden und einem weinenden Auge hinter mir gelassen. Es war schwer, aber es war auch ein notwendiger Schritt, weil Ahrens Geschichte zu Ende erzählt war. Diese Geschichte künstlich zu verlängern, wäre keine Option gewesen. Der Neubeginn mit der “Sturmfels-Akademie” war vor allem fordernd, denn Deatril – die Welt der streitenden Götter – ist ein deutlich komplexerer Ort. Um in dieser Welt richtig ankommen zu können, musste ich alles, was ich früher geschrieben habe, vergessen. Das ist mir mittlerweile gelungen, denn jetzt schreibe ich schon am dritten Band der “Sturmfels-Akademie”. 


Im 13. Paladin und im “Nebula Convicto”-Universum sind deine Hauptprotagonisten zumeist männlich, bei der “Sturmfels-Akademie” haben wir es nun mit den Abenteuern von Niri zu tun. War es eine bewusste Entscheidung, diesmal eine weibliche Hauptfigur zu besetzen? 


Torsten Weitze: Ja, war es. Ich habe zu dem Zeitpunkt 17 Romane geschrieben, bei denen ich männliche Protagonisten hatte und ich brauchte sehr dringend einen Tapetenwechsel! Das war auch der Grund dafür, dass ich im neuen Nebula-Zyklus eine weibliche Protagonistin vorgestellt habe. Mein Ziel ist es, immer zu wechseln, sobald die ersten Ermüdungserscheinungen einsetzen. Niri als Figur hat jedoch auch viel besser als Frau funktioniert: Ich mache das Geschlecht daher stark von der Figur abhängig und von meinem Bauchgefühl und hoffe, dass dies die purste Form von Gleichberechtigung ist – indem man das Geschlecht nicht im Vorfeld setzt, sondern es so wählt, wie es sich am besten anfühlt.


Wie entstand die Idee zur Sturmfels-Akademie? 


Torsten Weitze: Ich hatte schon immer Lust auf ein Akademie-Setting. Wie so viele bin ich auch Harry-Potter-Fan und wollte etwas in der Richtung machen. Mir war jedoch klar, dass ich mich von den bekannten Mustern lösen muss, denn diese gab es schon sehr häufig. Daher dient die “Sturmfels-Akademie” als Ouvertüre für alle weiteren Erzählungen in der Welt der streitenden Götter. Und was liegt näher, als seine Leser und Leserinnen in eine Welt einzuführen, als wenn man sie dorthin zur Schule schickt? (Lacht)


Wahre Worte! Hast Du eigentlich eine Lieblingsfigur im Sturmfels-Universum und wenn ja, welche ist es? 


Torsten Weitze: Grabbelschnack! 


Grabbelschnack ist auch unser Favorit, ganz deutlich! Wobei wir uns gefragt haben, ob  der Drache Deine persönliche Herausforderung an Hörbuchsprecher Günter Merlau ist. 


Torsten Weitze: Da werden ein, zwei Figuren kommen, die ihn noch mehr fordern werden – aber da möchte ich nicht spoilern (lacht).


Wenn Du selbst ein Duell ausfechten müsstest und zwei Figuren aus Deinem Sturmfels-Universum mitnehmen könntest, wen würdest du wählen und warum? 


Torsten Weitze: Aufgrund seiner Treue und seiner Beständigkeit würde ich Harduul wählen und als zweite Mitstreiterin Niri, damit ich mir sicher sein kann, dass die richtigen Kämpfe ausgefochten werden. 


Soweit mir bekannt ist, hast du die Reihe um den 13. Paladin nicht streng durch geplottet, wie ist deine Strategie bei Sturmfels? 


Torsten Weitze: Die Haupthandlung habe ich geplottet, aber auf dem Weg dahin habe ich mich immer wieder von aufkommenden Abzweigungen und Nebensträngen leiten lassen und diese mit der Haupthandlung verwoben. Teilweise sind das Dinge, die mir in dem Moment einfallen. Oder auch Figuren, die Einwände haben und sozusagen mit mir sprechen. Das Leitthema, das Ende und alle Hauptfiguren stehen aber zu Beginn fest. Anteilig sind es ungefähr 70% Plot und 30% Inspiration – eine Aufteilung, die sich für mich bewährt hat. Wenn ich versuche, zu viel zu plotten, setze ich mir ein enges Korsett, sodass ich meiner Inspiration nicht mehr nachgehen kann. Das macht mich unzufrieden und sorgt dafür, dass ich beginne, die Punkte nur noch mechanisch abzuarbeiten. Daher arbeite ich lieber mit meiner 70/30-Lösung. 


Und man sieht, es funktioniert sehr gut! Wie viele Teile wird es eigentlich von der “Sturmfels-Akademie” geben?


Torsten Weitze: Die Frage bekomme ich häufig gestellt, doch ich zögere immer, darauf zu antworten. Denn ich glaube, wenn man bei einem Buch genau weiß, an welcher Stelle man ist, verändert das die Wahrnehmung der Geschichte. Bei einer Trilogie beispielsweise entsteht die Erwartungshaltung, dass gewisse Dinge passieren müssen oder noch nicht passieren können … Ich kann aber so viel sagen: Niris Geschichte wird deutlich kürzer als die Paladin-Reihe, sonst müsste das arme Mädchen sehr, sehr lange die Schulbank drücken. 


Vom Buch nun zum Hörbuch. Hörst Du die Hörbücher Deiner Geschichten? 


Torsten Weitze: Ich muss leider gestehen, dass ich immer nur kurz reinhöre, um zu erfahren, wie die Figuren interpretiert wurden – damit ich das selbst auch beim Schreiben im Ohr habe. Leider fehlt mir die Zeit, um die Hörbücher ganz zu hören. Denn während die Aufnahmen für den vorherigen Band laufen, stecke ich schon tief in den folgenden Bänden. 


Kannst Du uns dennoch verraten, was ein gutes Hörbuch für dich ausmacht? 


Torsten Weitze: Der Sprecher selbst ist in der Lage, eine Geschichte zu akzentuieren. Wichtig finde ich, wie gut die einzelnen Figuren herauszuhören sind. Im schriftsprachlichen Bereich habe ich natürlich ganz andere Möglichkeiten: Ich kann kursiv setzen, ich kann Absätze machen … Das ist etwas, das der Sprecher erstmal leisten muss und eine Sache, die Günter Merlau ganz hervorragend macht. Außerdem finde ich es wichtig, dass die Stimmung einer Szene gut transportiert wird, doch auch da ist Günter Merlau ein wahrer Meister seines Faches. 


Wenn Du die “Sturmfels-Akademie” pitchen solltest, wie würde dieser Pitch aussehen? 


Torsten Weitze: Schwere Frage, das würde mir schriftlich leichter fallen … Ich musste die Sturmfels-Akademie tatsächlich nicht pitchen, da das Vertrauen des Verlags groß genug war. Doch wenn ich das nun nachholen müsste, würde ich über den Dreischritt Akademie, Existenzkampf und den Konflikt der streitenden Götter gehen … 


Gleich die nächste fiese Frage: Hast Du eine Lieblingsserie von all Deinen Reihen? 


Torsten Weitze: Die Frage ist wirklich fies … Aber die Paladin-Reihe hat natürlich einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Es war meine allererste Serie; die ersten Zeilen, die ich geschrieben habe. So wie Ahren darin herangewachsen ist und vom kleinen Bauernburschen zu einem Streiter der Götter wurde, konnte ich im Laufe der Reihe auch als Autor mit ihm wachsen.  


Vom Text zum Paratext: Bei Deinen Covern und dem Merchandise ist auffällig, dass man die Protagonisten zwar angedeutet sieht, aber niemals deren Gesichter ausmachen kann. Das ist Dir sehr wichtig, warum ist das so?


Torsten Weitze: Jeder von uns gibt dem Protagonisten eigene Gesichter und diese vorwegzunehmen, entfernt einen maßgeblichen Aspekt dessen, was als Kopfkino bezeichnet wird. Ich denke, jeder sollte frei wählen können, welches Gesicht die Hauptfigur besitzt. Deswegen versuche ich auch, die Züge der Protagonisten nicht zu detailreich zu beschreiben, damit die freien Flächen Raum für Interpretation lassen. 


Jetzt haben wir viel über das Schreiben gesprochen, doch was liest Du in Deiner Freizeit oder hast Du dafür gar keine Zeit mehr? 


Torsten Weitze: Ja, das ist der große Preis, den ich persönlich als Autor zahlen muss. Ich lese kaum noch die Geschichten anderer, weil ich Angst habe, mich im Stil zu verlieren, mich zu vergleichen und weil es sich mittlerweile ein bisschen nach Arbeit anfühlt, einen Text zu lesen. Daher konsumiere ich Geschichten in anderer Form, zum Beispiel als Film oder Computerspiel. 


Der Release von “Sturmfels-Akademie 2 – Der Turm des Goldes” war jetzt im Januar 2024, bist Du nach 13 Bänden Paladin, sechs Nebula-Bänden (zuzüglich der Nebula-Reihe mit Dan Dreyer), “Sturmfels-Akademie 1” und weiteren Titeln eigentlich noch aufgeregt? 


Torsten Weitze: Die Aufregung bleibt, da jedes Buch auch die Ungewissheit birgt, ob man sich diesmal verrannt hat. Ein gewisses Maß an Unsicherheit wird daher nie verschwinden, egal wie viele Bücher ich schreibe. Gewissermaßen ist die Aufregung ein Zeichen des Respekts gegenüber meinen Lesern und Leserinnen. Denn vorauszusetzen, dass sie jedes neue Werk mögen, will ich mir nicht anmaßen. Ich sehe es eher so, dass ich mir ihre Sympathien jedes Mal aufs Neue verdienen muss. 


Die “Sturmfels-Akademie” ist bei LAUSCH medien erschienen, Deinem langjährigen Hörbuch-Partner, der jetzt auch Deine Print-Bücher verlegt. Wie war für Dich der komplette Wechsel zu LAUSCH? 


Torsten Weitze: Vorher habe ich mit Bene Bücher oder dem acabus Verlag meine  Print-Bücher gemacht. Nun ist es natürlich schön, einen einzigen Ansprechpartner in allen Belangen zu haben! Da erhoffe ich mir noch viele Synergieeffekte und hoffe auf eine langjährige Partnerschaft!


Das hoffen wir auch! Zu guter Letzt: Gibt es etwas, das Du Deiner Fangemeinde noch mit auf den Weg geben möchtest? 


Torsten Weitze: Es gibt gerade viele schlimme Nachrichten auf dieser Welt, lasst Euch davon nicht unterkriegen, bleibt Euch treu und bewahrt Euren Mut – und wenn meine Geschichten Euch dabei ein Stück weit helfen können, dann ist dies das schönste Geschenk, das ihr mir machen könnt! 


Vielen Dank für das schöne Interview und dieses wunderbare Schlusswort!
















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